Luca Di Fulvio

Als das Leben unsere Träume fand

Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Drei junge Waisen verlassen in größter Not ihre Heimat und begeben sich auf die Reise nach Argentinien. Mit Buenos Aires verbinden sie die Hoffnung auf ein freies und selbst­bestimmtes Leben. Doch die Hafenstadt ist ein Schmelztiegel, in dem Armut und Kriminalität den Alltag bestimmen. Ist es möglich, an solch einem Ort das Glück zu finden?

Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 765
Preis: 12,00 €
ISBN: 9783404176007
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Die große Kraft der leisen Worte
Im Herbst 1912 erlebt die 13-jährige Raquel in ihrem Heimatdorf in der Ukraine ein brutales Massaker: Russische Bauern und Soldaten erschlagen wahllos jüdische Frauen und Männer, darunter Raquels geliebten Vater. ”Geh fort“ flüstert er ihr mit letzter Kraft zu, bevor er stirbt. Das Mädchen weiß: Ohne ihn wird sie der hartherzigen Stiefmutter schutzlos ausgeliefert sein und das Leben einer Sklavin führen. So flieht sie noch in derselben Nacht in eine ungewisse Zukunft. Die Worte ihres Vaters geben ihr die Kraft dafür.

Historische Romane über Menschen, die ihren eigenen Weg gehen und unermüdlich für ihre Träume kämpfen, sind die Spezialität von Luca Di Fulvio. ”Der Junge, der Träume ­schenkte“ (2011) über das Leben von Einwanderern im New York der 1920er-Jahre wurde ein Bestseller. Und auch ”Das Mädchen, das den Himmel berührte“ (2013) über junge Menschen, die sich im Italien des 16. Jahrhunderts durchschlagen müssen, stand lange auf der SPIEGEL-Bestsellerliste – wie auch ”Das Kind, das nachts die Sonne fand“ (2015) über einen Jungen, der alles verliert und in einer unbekannten Umgebung seinen Platz finden muss. Nun legt der 1957 in Rom geborene Autor eine ­weitere fiktive Auswanderergeschichte vor, die den Leser nach Buenos Aires führt.

Als Italiener spüre er eine besondere Verbindung zu Argentinien, erklärt er die Wahl seines Schauplatzes. Anfang des 20. Jahrhunderts seien viele Menschen aus seiner Heimat nach Buenos Aires emigriert, sodass 1913 rund eine Million Italiener in der Metropole lebten. ”Die Argentinier sagen, dass es unter ihnen keinen gibt, in dessen Adern nicht italienisches Blut fließen würde“, erzählt Di Fulvio. Und weiter: ”Sogar bei denjenigen von uns, die nicht ausgewandert sind, scheint Emigration ein Bestandteil der DNA zu sein.“



Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben

So schickt Di Fulvio außer seiner Protagonistin Raquel zwei ­weitere Hauptfiguren mit italienischen Wurzeln auf die Reise. Da ist einerseits der 20-jährige Rocco, der sich dagegen sträubt, der sizilianischen Mafia zu dienen und daher von dem Clan nach Argentinien geschickt wird. Er will sich aber auch den dortigen Mafiosi nicht unterordnen, sondern möchte als Auto­mechaniker eine eigene Werkstatt gründen.

Und andererseits gibt es die ebenfalls 20-jährige Rosetta, die sich nach dem Tod ihrer Eltern weigert, dem Großgrundbesitzer ihres Dorfes ihr Land zu verkaufen. Als sie nur knapp eine Vergewaltigung durch dessen Gefolgsmänner überlebt, willigt sie in den Verkauf ein, doch sie muss sich mit ­letzter Kraft gegen die Zudringlichkeiten des Barons wehren. Das Auswandererschiff nach Buenos Aires zu besteigen, scheint ihr die einzige Möglichkeit zu sein, seiner Rache zu entgehen.



Unendliches Leid und sehnsuchtsvolle Liebe

Aber auch das Leben in der neuen Welt ist alles andere als verheißungsvoll. Buenos Aires ist ein brodelnder Kessel, in dem unermesslicher Reichtum und bittere Armut nah beieinander liegen und kriminelle Banden blutige Kämpfe austragen. Raquel, die während ihrer Reise in die Finger von Menschenhändlern geraten ist, erlebt hier hautnah die brutale Ausbeutung von Frauen in Bordellen. Für ihre Geschichte hat Di Fulvio intensiv zu den Machenschaften der jüdischen Zuhälterorganisation Zwi Migdal recherchiert, die ab dem Ende des 19. Jahrhunderts fast 80 Jahre lang osteuropäische Jüdinnen nach Südamerika lockte, um sie dort als Prostituierte arbeiten zu lassen. ”Das verabscheuungswürdige Geschäft florierte vor aller Augen“, empört sich der Autor.

Di Fulvios Schilderungen von Gewalt und Leid sind mitunter drastisch, doch der umfangreiche Roman hält auch viele schöne Momente bereit. Denn die Protagonisten kämpfen auf sehr unterschiedliche Art gegen das Unrecht: Rocco mit Erfindergeist, Rosetta mit Empathie sowie Raquel mit ihrer wachen Intelligenz und Bildung. Nicht zuletzt ist es die zarte Liebe zwischen Rosetta und Rocco, die die Geschichte vorantreibt. Nach ihrer ersten Begegnung auf dem Schiff verhilft Rocco Rosetta nach der Ankunft im Hafen zur Flucht vor den Schergen des sizilianischen Barons. Bevor die beiden im Tumult der Straßen getrennt werden, verspricht er ihr: ”Ich werde dich finden.“ Und wieder sind es nur wenige leise Worte, die eine große Wirkung entfalten.

SPIEGEL-Bestseller

Beste Platzierung Rang 4 vom 13.10.2018 in Taschenbuch/ Belletristik

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