Filename: typo3temp/bestseller_html_cache/hardcover_belle_small_www.buchaktuell.de_p0 ------ Filetime: July 23 2019 16:55:22.
Offset:3600
Filetime + Offset: 1563897322Currrent time: 1563896002
Filename: typo3temp/bestseller_html_cache/hardcover_sach_small_www.buchaktuell.de_p0 ------ Filetime: July 23 2019 16:55:22.
Offset:3600
Filetime + Offset: 1563897322Currrent time: 1563896002
Im Gespräch: Rhidian Brook

Im Gespräch: Rhidian Brook

Mittwoch, 10. April 2019 (16:00 Uhr)

Über Verlust und Wiederaufbau

Am 11. April startet mit „Niemandsland” die Verfilmung des gleichnamigen Beststellers von Rhidian Brook. Darin wird die Familie des britischen Offiziers Lewis Morgan nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs nach Hamburg versetzt, um dort beim Wiederaufbau zu helfen. Im Interview erzählt der Autor, wie es zu dem Buch gekommen ist und warum es ihm so wichtig war, eine Geschichte aus der Nachkriegszeit zu erzählen.

Bild © mit freundlicher Genehmigung von Rhidian Brook

Wie sind Sie auf die Idee des Buches gekommen? Und was hat Ihr Großvater mit der Geschichte von Lewis Morgan zu tun?

Mein Großvater Walter Brook war Feldmarschall beim britischen Militär während des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Sieg über Deutschland wurde er nach Hamburg versetzt und ihm wurde ein Gebiet zugewiesen, für dessen Wiederaufbau er verantwortlich war. Wie es zu der Zeit üblich war, wurde ihm und seiner Familie ein Haus zugewiesen. Die deutschen Familien wurden damals umgesiedelt und in Notunterkünften oder Gemeinschaftshäusern untergebracht. Mein Großvater entschied sich allerdings dafür, die Familie, deren Haus im zugewiesen worden war, bei sich wohnen zu lassen. So ist die Geschichte der Familie Morgan und der Familie Lubert auch die Geschichte meiner eigenen Familie, welche ich gerne erzählen möchte.

Stehen Sie noch in Kontakt mit der deutschen Familie, mit der Ihre Familie zusammen gewohnt hat?

Ja. Ich habe sie 2007 gemeinsam mit meinem Vater während eines Besuchs in Hamburg getroffen. Dabei habe ich auch das Haus gesehen, in dem die beiden Familien damals gelebt haben. Mein Vater, meine Tante und mein Onkel waren während der Zeit so etwas wie die Eisbrecher zwischen den Familien, da sie sich relativ schnell mit den Kindern der deutschen Familie angefreundet habe. Dieser Besuch war auch das ausschlaggebende Erlebnis, nachdem ich mich dazu entschieden habe, aus den Erzählungen die mein Großvater mir bereits Jahre vorher erzählt hat, ein Buch zu schreiben.

Wie hat Ihre Familie auf das Buch reagiert?

Sie waren gleichzeitig fasziniert und gespannt. Ich habe ihnen von Anfang an gesagt, dass ich meine eigene Geschichte schreiben möchte. Es sind keine Memoiren oder eine historische Nacherzählung. Ich wusste schon früh, dass ich in der Geschichte auch eine zwischenmenschliche Dimension hinzufügen wollte, die in der Realität nicht stattgefunden hat.

Was hat Sie am meisten an der Zeit interessiert?

Am spannendsten finde ich die Tatsache, dass viele Paare und Familien durch den Krieg getrennt wurden und daran arbeiten mussten, in ihrer Beziehung/Ehe wieder zueinander zu finden. Die Geschichte geht also nicht nur darum, ein Land wieder aufzubauen, sondern auch eine Beziehung.

Wie sahen die Recherchearbeiten zu dem Buch aus?

Auffällig war, dass in der Literatur wenig über die Zeit nach dem Krieg und den Wiederaufbau geschrieben wurde. Geholfen hat mir das Buch „A strang enemy of people” von Patricia Meehan. Natürlich auch die Erzählungen meines Vaters und meines Onkels. Viel musste ich mich allerdings auch auf meine eigene Vorstellung und Fantasie verlassen. Die Gruppe der Trümmerkinder beispielsweise habe ich frei erfunden. Generell muss man sich als Autor viel auf seine eigene Fantasie verlassen und Personen schaffen, denen der Leser emotional begegnet und mit denen er sich identifizieren kann.

Was ist das besondere an Ihrer Geschichte?

Egal ob jemand ein Kind verloren hat oder ein Land 5 Millionen oder 20 Millionen Menschen. Verlust bleibt Verlust, und jeder sollte das Recht haben, auf seine eigene Weise damit umzugehen. Wichtig finde ich besonders die Situation aus der Sicht der Deutschen. Meinem Eindruck nach war es ihnen nicht erlaubt, zu trauern, da sie die Besiegten waren und, aus der Sicht der Briten, auch die Schuldigen. Doch es ist wichtig zu sagen, dass auch die Deutschen damals viel verloren haben.

Wie haben die Leser auf das Buch reagiert oder Sie darauf angesprochen?

Bei einem Festival in Edinburgh konnte das Publikum nach einem Vortrag Fragen stellen. Eine Frau ist aufgestanden und hat sich bedankt. Sie war nach dem Krieg ein Trümmerkind in Hamburg und hat sich selbst in der Geschichte wiedergefunden. Grundsätzlich haben mich viele Zeitzeugen kontaktiert, Briten sowie Deutsche. Doch gerade die Deutschen haben sich dafür bedankt, dass jemand ihre Geschichte aus einer Sicht erzählt, aus der ich es getan habe. Außerdem haben mich viele Leser kontaktiert, die über die Zeit kaum etwas wussten. Dies hat mich darin bestätigt, dass es richtig war, eine Geschichte aus genau dieser Zeit zu erzählen.

Rhidian Brook
Niemandsland
btb, 384 Seiten, brosch.jetzt kaufen
9,99 € [D]
ISBN 9783442713028

Gewinnspiele

Gewinnen Sie attraktive Preise bei unseren aktuellen Gewinnspielen!

Gewinn des Monats
Sommer-Gewinnspiel

Hardcover Belletristik

Nr. 30/2019
1 Die Liebe im Ernstfall
Krien, Daniela
jetzt kaufen
2 Das Labyrinth des Fauns
Funke, Cornelia; del Toro, Guillermo
jetzt kaufen
3 Kaffee und Zigaretten
Ferdinand von Schirach
jetzt kaufen
4 Mittagsstunde
Hansen, Dörte
jetzt kaufen
5 Ein Sohn ist uns gegeben
Leon, Donna
jetzt kaufen
23.07.2019 16:55 (1320)

Hardcover Sachbücher

Nr. 30/2019
1 Der Ernährungskompass
Kast, Bas
jetzt kaufen
2 Kurze Antworten auf große Fragen
Hawking, Stephen
jetzt kaufen
3 Deutschland verdummt
Winterhoff, Michael
jetzt kaufen
4 Becoming
Obama, Michelle
jetzt kaufen
5 Bin im Garten
Winnemuth, Meike
jetzt kaufen
23.07.2019 16:55 (1320)

Lesungen / Termine

30.08.2019 Bad Elster
Friedrich von Thun
23.08.2021 Berlin
Andrea Schütze
23.08.2021 Berlin
Joe Ide
24.08.2021 Berlin
Traci Chee
30.08.2021 Berlin
Claudia Piñeiro
31.08.2021 Berlin
FrancescaMelandri
31.08.2021 Berlin
HalaAlyan
01.01.2035 Köln
Claudia Hann. Autorenlesung: Mimi auf der Suche
Lesungen in meiner Stadt finden