LUCHS-Preis für Kinder- und Jugendliteratur

Donnerstag, 06. Dezember 2018 (12:35 Uhr)

Jahres-LUCHS 2018 für „Ghost”

Der LUCHS-Preis für Kinder- und Jugendliteratur Dezember geht an Ulrich Hub für sein Buch „Das letzte Schaf”, erschienen bei Carlsen, illustriert von Jörg Mühle. Der Jahres-LUCHS 2018 geht an Jason Reynolds und Anja Hansen-Schmidt für das Jugendbuch „Ghost. Jede Menge Leben”, erschienen bei dtv, Reihe Hanser. Am Mittwoch, den 20. März, wird der mit 8.000 Euro dotierte Preis am Vorabend der Leipziger Buchmesse um 18.00 Uhr im Ring-Café in Leipzig verliehen.

Jeden Monat vergeben DIE ZEIT und Radio Bremen den LUCHS-Preis für Kinder- und Jugendliteratur. Aus den zwölf Monatssiegern wird der Jahres-LUCHS gewählt. Die Jury bilden Brigitte Jakobeit, Übersetzerin, Maria Linsmann, Kunsthistorikerin, und Anja Robert, Redakteurin bei Radio Bremen. Den Vorsitz hat Katrin Hörnlein, die bei der ZEIT das Ressort Junge Leser und die Kinder- und Jugendliteratur verantwortet.

Zum Buch: Hin- und hergerissen zwischen den verinnerlichten Botschaften ihrer Hirten, die von „immer schön zusammenbleiben” bis „kein Schaf darf verloren gehen” reichen, und der allzu großen Lust auf Leckerlis, machen sich sieben Schafe in der Heiligen Nacht auf den Weg – Auch sie wollen „das supersüße Baby”, das in einem Futtertrog liegen soll, sehen. Von ihren Hirten, die sich bereits ohne ihre Herde auf den Weg gemacht haben, alleingelassen, müssen sie auf ihrer temporeichen Nachtwanderung einige Herausforderungen meistern, verlieren dabei allerdings immer wieder Überblick und Richtung.

Ulrich Hubs „Das letzte Schaf” ist keine bloße Neuauflage der klassischen Weihnachtsgeschichte, sondern „eine extrem unterhaltsame Geschichte für kindliche Gemüter. Stringent aufgebaut, mit perfektem Gag-Timing und einem herzerwärmend dusseligen Ensemble” und dabei „pointensicher illustriert”, urteilt Anja Robert in der ZEIT. „Mühelos passt Hub die biblische Geschichte dem Humorhorizont seiner sechs- bis zehnjährigen Leser an. Aber auch mit- und vorlesende Erwachsende kommen auf ihre Kosten”.

Zum Buch: In „Ghost. Jede Menge Leben” erzählt Reynolds die Geschichte von Castel Cranshaw, der sich selber „Ghost” nennt, seit sein eigener Vater auf ihn geschossen und er gelernt hat zu rennen, so schnell ihn seine Füße tragen. Als der Siebtklässler eine Laufmannschaft beim Training beobachtet, fühlt er sich von einem „aufgedonnerten” Typen mit „fancy Klamotten” provoziert. Ghost besitzt nicht einmal Sportkleidung. Diesem Typen will er zeigen, was es heißt, schnell zu rennen. Dass Ghost daraufhin ins Laufteam aufgenommen wird, ist die Chance seines Lebens. Denn hier lernt er nicht weiter nur für sich, sondern auch für andere zu laufen. Sein Trainer weiß: Einer, der aus einem Armenviertel kommt, kann es sich nicht leisten nur für sich zu rennen.
 
Die LUCHS-Jury urteilt: „‚Ghost’ ist im besten Sinne ein Lehrstück über die Kraft der Solidarität; erzählt mitten aus dem afroamerikanischen Alltag heraus. Es ist kein Buch, das große Reflexionen anstellt über Hautfarbe und Identität; es erhebt keine Anklage, stellt nicht weiße Täter schwarzen Opfern gegenüber. Das heißt: doch. Es handelt auch von alldem, aber kaum jemals explizit. Auf vielfältige Weise glänzt Jason Reynolds’ Roman: mit seiner sympathischen und glaubwürdigen Hauptfigur, die trotz traumatischer Gewalterfahrungen an das Gute glauben darf; mit einer bunten Schar liebevoll gezeichneter Nebenfiguren; mit vielen genauen Beobachtungen und unspektakulär-bedeutsamen Alltagsszenen, die sich beim Lesen zu einer ganzen Welt zusammenfügen. Was den 34-jährigen Jason Reynolds aber am meisten auszeichnet, ist seine Sprache, für die man nur schwer passende deutsche Begriffe findet. Seine Prosa ist von einem assoziativen, melodischen flow, was mit Rhythmus oder Fluss nur unzureichend wiedergegeben wäre. Dass es Anja Hansen-Schmidt gelungen ist, diesen Ton ohne forcierte Slang-Anleihen in einem lässigen Deutsch zum Klingen zu bringen, zeugt von großer Übersetzerkunst. ‚Ghost’ ist ein atemloser Roman, der nur so swingt und groovt – und vor Wärme vibriert.”
 

Ulrich Hub
Das letzte Schaf
Carlsen, 80 Seiten, geb.
13,- € (D)
ISBN 9783551553843

 

 

 

 

 


Jason Reynolds
Ghost. Jede Menge Leben
dtv, 224 Seiten, geb.
14,95 € (D), 15,40 € (A)
ISBN 9783423640411

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