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Thiesler, Sabine
Der Menschenräuber
Sabine Thieslers Romanfiguren werden stets von ihrer Vergangenheit eingeholt. Mit ihrem neuen spannenden Thriller „Der Menschenräuber“ knüpft die Autorin nahtlos an ihre drei vorherigen Erfolge an, die allesamt auf den Bestsellerlisten landeten.
Verlag: Heyne
ISBN-Nr: 9783453266315
19,95 €
Seiten: 464 |
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Tödliche Rache in der Toskana
Sabine Thiesler ist ein Multitalent. Als Schauspielerin hat sie einige Jahre vor der Kamera und auf der Bühne gestanden. Als Drehbuchautorin hat sie unter anderem mehrere Folgen für die TV-Renner „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ verfasst. Doch so richtig wohl fühlt sich die gebürtige Berlinerin, die heute in der Toskana lebt, erst, seit sie Kriminalromane schreibt. Keine Ermittlungskrimis im klassischen Sinne, sondern den etwas anderen Psychothriller, mit einem tiefen Blick in die Welt der Mörder, mit Tätern, die auf den ersten Blick ganz „normale“ Menschen sind, Sympathien wecken, Mitleid erregen. „Es reizt mich nicht, Fälle langsam aufzuklären. Ich möchte miterleben, wie der Mörder tickt, möchte ihm in den Kopf gucken. Das halte ich für wesentlich spannender.“ Morden mit Tiefgang à la Thiesler macht nicht nur der Autorin Spaß, sondern kommt auch bei den Lesern gut an: Ihr erster Roman „Der Kindersammler“ stand 2006 monatelang auf der Bestsellerliste, die Nachfolger „Hexenkind“ und „Die Totengräberin“ ebenfalls. 1,5 Mio. verkaufte Exemplare im deutschsprachigen Raum für drei Romane sind eine beeindruckende Zahl. Und es werden noch mehr werden, denn mit „Der Menschenräuber“ knüpft Sabine Thiesler nahtlos an das erfolgreiche Dreigestirn an. Der neue Roman trägt unverkennbar die Handschrift der Autorin, indem abermals ein Mensch in einer Extremsituation in den Fokus rückt. Die Geschichte ist ungemein spannend, aber nicht reißerisch, ein perfekt inszeniertes Psychogramm menschlicher Abgründe. Statt genussvoll blutige Details aufzutischen, konzentriert sich Sabine Thiesler ebenso genussvoll auf das Innenleben ihrer Protagonisten, das sie beklemmend und konsequent mit vielen überraschenden Facetten ausbreitet. „Es gibt für mich nichts Spannenderes als die menschliche Psyche. Es ist vielleicht mein Talent, mich in andere hineinzuversetzen, ganz gleich was ihnen passiert. Ich kann mir für jeden Charakter Situationen vorstellen, in die er gerät. Und ich weiß, wie er fühlt, auch wenn er vielleicht ganz anders reagiert als wir es erwarten.“ Typisch ist auch das Setting: „Der Menschenräuber“ spielt in Deutschland (in Berlin) und in der Toskana. Das Festhalten an bewährten Schauplätzen ist für Sabine Thiesler ein weiteres Geheimnis ihres Erfolgs. „Ich kann nur atmosphärisch dicht über Orte schreiben, die ich gut kenne. In der Toskana weiß ich, wie sich die Menschen verhalten. Aber vor allem inspirieren mich immer wieder die einsamen Häuser in den Wäldern oder allein auf einem Hügel, weit ab vom nächsten Nachbarn. Dort lebt, leidet und mordet man anders als in einem Dorf oder einer Kleinstadt. Außerdem reizt mich der Gegensatz, wenn in einer lieblichen Landschaft, im Paradies schlechthin, ein schreckliches Verbrechen geschieht. Ein Leben gerät aus den Fugen, bei Sonnenuntergang im Duft von Jasmin und Rosmarin. Das hat Stil, finde ich.“ Im Mittelpunkt des neuen Buches steht Jonathan, als typischer Thiesler-Protagonist eigentlich ein ganz normaler Mensch, der durch äußere Umstände zum Killer wird. Als seine Tochter Giselle am helllichten Tag von einem betrunkenen Autofahrer an einer Ampel überfahren und tödlich verletzt wird, bricht die Welt des erfolgreichen Medienmanagers und Fotografen zusammen. Er ertränkt sein Unglück im Alkohol, rutscht ab in Depression und Verwahrlosung; der Job geht verloren, schließlich scheitert auch seine Ehe. Der mit dem Schicksal hadernde, zum Trauern unfähige Mann zieht einfach los, ohne Geld, ohne Ziel, ohne Hoffnung. Ein Koffer, der neben dem Nötigsten an Kleidung Kamera und Laptop enthält, ist alles, was ihm von seinem behüteten Leben bleibt. Jonathan lässt sich treiben und landet durch Zufall in einer heruntergekommenen Pension in einem einsamen Bergdorf in der Toskana. Als er dort die blinde Sofia kennenlernt, die ein Ebenbild seiner Tochter ist, scheint es für den Deutschen wieder aufwärts zu gehen. Auf mehreren Erzählebenen erschließt sich dem Leser nach und nach Jonathans Leben. Während er in Italien neuen Lebensmut findet, Sofia heiratet und das heruntergekommene Gehöft ihrer Eltern zu einem luxuriösen Feriendomizil ausbaut, knüpft die Autorin mit vignettenhaften Rückblicken in die Vergangenheit ein immer dichter werdendes Netz von Aha-Momenten, Spannung und Vorahnung. Das Unglück nimmt seinen Lauf, als sich eines Tages ein Ehepaar aus Deutschland einmietet. Dr. Engelbert Kerner ist der Richter, vor dem sich damals der Mann, der Giselle überfahren hat, verantworten musste und in den Augen ihres Vaters viel zu milde davongekommen ist. In Jonathan erwachen Hass und Rachegefühle wie ein Flächenbrand zu neuem Leben und lassen ihn nicht mehr los ... Anders als die Komplexität der Handlung und die detaillierte Feinzeichnung der Personen vermuten lässt, wird Sabine Thiesler beim Schreiben von Spontaneität angetrieben: „Ich schreibe ins Nichts. Lasse mich treiben. Außer meiner Idee weiß ich nichts. Alle Charaktere begegnen mir im Laufe der Zeit, werden immer komplexer, entwickeln irgendwann ein Eigenleben. Ganz allmählich entsteht daraus die Geschichte, weil jeder Charakter anders reagiert.“ Das ist dann der Moment, in dem aus Arbeit Spaß wird, wenn sie nicht mehr am Computer sitzt und konstruiert, sondern es „einfach läuft“ und sich das Puzzle zusammenfügt. „So mühsam und quälend der Prozess des Schreibens manchmal auch sein kann und man immer wieder den Mut verliert – plötzlich ergibt sich eine Leichtigkeit, und das ist für mich jedes Mal wieder wie ein Wunder.“ Und woher kommen die Ideen? „Sie begegnen mir. Sie liegen quasi auf der Straße, wie man so schön sagt.“ Ein winziger Anlass, eine Situation oder eine interessante Figur reichen aus, um den schriftstellerischen Instinkt zu wecken. „Dann merke ich, dass mich diese Kleinigkeit, dieser flüchtige Gedanke einfach nicht mehr loslässt. Irgendwann kann ich an nichts anderes mehr denken. Und wenn ich das Gefühl habe, dass mir viel dazu einfällt, dass ich mich auch ein ganzes Jahr lang mit diesem Thema beschäftigen möchte und ein dickes Buch aus dieser Idee erwachsen könnte, dann fange ich an zu schreiben.“ Das Ergebnis kann sich wieder einmal sehen lassen: „Der Menschenräuber“ steht für 464 Seiten fesselnde Spannung, die unter die Haut geht, aber auch nachdenklich macht. So haben andere Leser dieses Buch bewertet |
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