Ein Türke im tiefsten Bayern

Donnerstag, 07. Dezember 2017 (10:57 Uhr)

Interview mit Su Turhan

Spätestens seit die Buchreihe mit Tim Seyfi in der Hauptrolle für das Fernsehen verfilmt wird, ist „Kommissar Pascha” aus der deutschen Krimiszene nicht mehr wegzudenken. Su Turhans Protagonist Zeki Demirbilek führt seine SOKO Migra mit Stil und harter Hand. Er und sein Team, darunter der urbayerische Polizist Pius Leipold, ermitteln in Mordfällen, bei denen die Opfer einen Migrations­hintergrund ­haben. Drei Fragen an den Autor (Foto: Regina Recht):

 


Woher haben Sie die Ideen zu Ihren Romanen?

Das ist sehr unterschiedlich bei mir. Das kann ein müder Blick einer Frau in der U-Bahn sein, der mich unvermittelt trifft. Oder ein Bauchtanzkurs, den meine Tochter in der Schule besucht hat, der mich auf die Idee zu „Kruzitürken” führte. Ein Foto. Ein Albtraum, ein schöner Traum. Bewusst herbeigeführt habe ich eine Idee, als ich auf der Wiesn bei den Abräumarbeiten stundenlang einfach nur da saß und nachdachte, bis ich in Gedanken jemanden mit Kaftan über die Theresienwiese laufen sah. Daraus entstand „Anstich”.
Doch mit Ideen allein komme ich nicht weit. Sie sind meist Startpunkt für eine Geschichte, nicht mehr. Meine schriftstellerische Aufgabe ist es, genau diese Idee zu verstecken, den Leser mit den Figuren und der Handlung zu packen. Ideen begreife ich als den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.


Sie sind ja Regisseur. Warum bzw. wann haben Sie damit angefangen, Bücher zu schreiben?
2013 erschien mein erster Kriminalroman „Kommissar Pascha”, etwa ein Jahr vorher habe ich mit dem Schreiben begonnen. Angefangen hat es in Mumbai, wo ich mit meinem Kinofilm „Ayla” auf einem Festival zu Gast war. Im Hotelzimmer entstand mein erstes Romanexposé mit der Hauptfigur Zeki Demirbilek. Was mich dabei faszinierte, war, dass ich mit der Romangeschichte nicht an ein Budget oder an Drehtage gebunden war. Ich war frei, künstlerisch frei, zu erzählen, was für mich wert war, Lesern anzuvertrauen.

 
Ihre Protagonisten, der bayerische Leipold und der türkische Demirbilek, sind sehr unterschiedlich, aber auch sehr ähnlich. Wo sind die Gemeinsamkeiten zwischen der Türkei und Bayern?
Für mich als Melangeist, als jemand, der zwei Kulturen in sich trägt, ist das eine Frage, die einfach scheint, aber richtig schwer zu beantworten ist. Mir wird hie und da gesagt, dass ich gern Klischees nutze. Das stimmt sicher. Wobei ich eher aufzeige, welche Gemeinsamkeiten in den Kulturen stecken. Wie auf verquere Weise in „Bierleichen”, Bier mögen Zeki und Pius gleichermaßen. Als Schriftsteller erlaube ich mir zu überhöhen und zu vereinfachen. Am Ende läuft es auf das Menschsein hinaus. Ob sich ein Türke mit einem Bayern oder ein Japaner mit einem Preußen trifft, ist das nicht einerlei, sobald es um Emotio­nen, Wünsche und Sehnsüchte geht? Familie ist jedenfalls ein solcher gemeinsamer Nenner und spielt deshalb in meinen Romanen neben der Krimihandlung eine außerordentliche Rolle. Väter sind beide, Zeki Demirbilek und Pius Leipold. Beide lieben – allerdings auf sehr unterschiedliche Weise.

 

Su Turhan
Getürkt – Ein neuer Fall für Kommissar Pascha (Bd. 5)

Piper
320 Seiten, Paperback
15,- € (D), 15,50 € (A)
ISBN 978-3-492-06070-7

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